Reinheitsgrad von Diamanten (Clarity) – Stufen von FL bis I3

Der Reinheitsgrad eines Diamanten (englisch Clarity) gibt an, wie viele innere Merkmale, sogenannte Einschlüsse, und äußere Makel ein Stein hat. Bewertet wird er unter 10-facher Vergrößerung auf der 11-stufigen GIA-Skala, von fehlerfreien Diamanten (FL) bis zu Steinen mit Einschlüssen, die mit bloßem Auge sichtbar sind (I3). Beim Wachstum eines Diamanten, ob tief in der Erde oder im Labor, bleiben fast immer winzige Kristalle oder Unregelmäßigkeiten im Kristallgitter zurück. Die Reinheit gehört zu den 4C, nach denen ein Diamant beurteilt wird, neben Karatgewicht, Farbe und Schliff. Wir nehmen noch das Zertifikat (englisch Certificate) hinzu und sprechen deshalb von den 5C.

Unkonventioneller Verlobungsring mit Diamanten
Die sanft gewellte, mit natürlichen Diamanten besetzte Ringschiene lässt Raum für einen funkelnden Diamanten in der Mitte.

Was ist der Reinheitsgrad eines Diamanten

Die Reinheit eines Diamanten beschreibt, wie viele Einschlüsse er im Inneren und wie viele Makel er an der Oberfläche hat. Völlig makellose Steine sind äußerst selten. Je weniger Merkmale ein Diamant hat, desto höher ist sein Reinheitsgrad und in der Regel auch sein Preis. Zu den Einschlüssen gehören zum Beispiel Spalten, Risse, eingewachsene Kristalle oder andere Unregelmäßigkeiten im Kristallgitter.

Bei der Bewertung achtet der Gemmologe auf Anzahl, Größe, Art, Lage, Farbe und Sichtbarkeit der Merkmale. Über die Einstufung entscheidet dabei nicht nur die Zahl der Einschlüsse, sondern vor allem ihr Gesamtumfang und ihre Lage. Ein Stein mit drei winzigen Einschlüssen kann daher denselben Reinheitsgrad erhalten wie einer mit einem größeren Einschluss, doch der erste sieht meist besser aus. Die Reinheit muss bestimmt werden, bevor der Stein gefasst wird, denn die Fassung kann einen Teil der Merkmale verdecken.

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Reinheitsgrade von Diamanten nach GIA

Die Experten des GIA (Gemological Institute of America) haben die am weitesten verbreitete Reinheitsskala für Diamanten mit 11 Stufen entwickelt, und das GIA selbst bewertet strenger als andere Labore. Die Stufen werden mit Abkürzungen der englischen Bezeichnungen angegeben, von fehlerfrei (FL) bis zu Steinen mit deutlichen Einschlüssen (I3), und eingestuft wird ein Stein danach, was ein erfahrener Gemmologe unter 10-facher Vergrößerung sieht. Neben der GIA-Skala begegnet Ihnen auch die AGSL-Skala.

Bei Diamantschmuck finden Sie am häufigsten die Stufen VS (sehr kleine Einschlüsse) und SI (kleine Einschlüsse). Die Stufen FL bis VS2 gehören zu den höchsten. Bei FL bis VVS2 sind die Einschlüsse mit bloßem Auge nicht zu sehen, bei VS1 und VS2 in der Regel auch nicht. Ein Diamant, dessen Einschlüsse nur unter der Lupe oder dem Mikroskop sichtbar sind, gilt als augenrein. Ein Stein, bei dem sie selbst unter 10-facher Vergrößerung nicht zu erkennen sind, ist lupenrein.

Arten von Einschlüssen im GIA-Zertifikat
Arten von Einschlüssen und ihre Lage im Diamanten, eingezeichnet im GIA-Zertifikat

Lupenrein

FL/IF

FLAWLESS (FL) – FEHLERFREI

Fehlerfreie Diamanten haben unter 10-facher Vergrößerung weder Einschlüsse noch Makel an der Oberfläche. Es sind sehr seltene Steine, die Sie im üblichen Angebot kaum finden. Manchmal werden sie auch als „LC“ (lupenrein) bezeichnet.

FL/IF

INTERNALLY FLAWLESS (IF) – INNEN FEHLERFREI

Innen fehlerfreie Diamanten haben unter 10-facher Vergrößerung keine Einschlüsse, an der Oberfläche können aber winzige Makel auftreten, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Sie sind fast so selten und begehrt wie FL und werden ebenfalls als „LC“ (lupenrein) bezeichnet.

Augenrein

VVS1

VERY VERY SLIGHTLY INCLUDED (VVS1) – SEHR, SEHR KLEINE EINSCHLÜSSE

VVS1-Diamanten haben so winzige Einschlüsse, dass selbst ein erfahrener Gemmologe sie unter 10-facher Vergrößerung nur mit großer Mühe findet. Im Preis liegen sie etwas unter IF, optisch sind sie davon nicht zu unterscheiden.

VVS2

VERY VERY SLIGHTLY INCLUDED (VVS2) – SEHR, SEHR KLEINE EINSCHLÜSSE

Bei VVS2 sind die Einschlüsse unter 10-facher Vergrößerung weiterhin schwer zu finden, nur etwas leichter als bei VVS1. Trotzdem gehört die Stufe zu den höchsten Reinheitsgraden, und VVS2-Diamanten sind etwas günstiger als VVS1.

VS1

VERY SLIGHTLY INCLUDED (VS1) – SEHR KLEINE EINSCHLÜSSE

VS1-Diamanten haben kleine Einschlüsse, die ein Gemmologe unter 10-facher Vergrößerung sieht, aber nicht ohne Weiteres. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen, der Stein wirkt also genauso rein wie die höheren Stufen und ist deutlich günstiger als FL.

VS2

VERY SLIGHTLY INCLUDED (VS2) – SEHR KLEINE EINSCHLÜSSE

Bei VS2 sind die Einschlüsse unter 10-facher Vergrößerung etwas leichter zu sehen als bei VS1, mit bloßem Auge aber weiterhin nicht. Deshalb gehört VS2 zu den sehr beliebten Stufen, auch bei Steinen über 1 ct, bei denen Einschlüsse grundsätzlich leichter zu sehen sind als bei kleineren.

SI1

SLIGHTLY INCLUDED (SI1) – KLEINE EINSCHLÜSSE

Bei SI1-Diamanten sind die Einschlüsse unter 10-facher Vergrößerung deutlich zu sehen, und ein erfahrener Gemmologe erkennt sie manchmal sogar mit bloßem Auge, ein Laie findet sie dagegen kaum. Ob der Stein augenrein wirkt, hängt davon ab, wo die Einschlüsse liegen, welche Farbe sie haben und wie groß der Diamant ist. Bei Steinen mit GIA-Zertifikat ist SI1 sehr oft augenrein.

Einschlüsse im Diamanten
Lage der Einschlüsse bei einem Diamanten der Reinheit SI1 mit GIA-Zertifikat
Einschlüsse im Diamanten
Auch dieser Diamant ist im GIA-Zertifikat mit SI1 bewertet
SI2

SLIGHTLY INCLUDED (SI2) – KLEINE EINSCHLÜSSE

SI2-Diamanten haben mehr Einschlüsse, die unter 10-facher Vergrößerung leicht zu sehen sind. Mit bloßem Auge erkennt sie meist nur ein Fachmann, entscheidend ist aber auch hier ihre Lage. Eine gut gewählte Fassung kann Einschlüsse verdecken, deshalb ist SI2 ein häufiger Kompromiss zwischen Qualität und Preis.

Nicht augenrein

I1-2-3

INCLUDED (I1, I2, I3) – MIT EINSCHLÜSSEN

Bei Diamanten der Stufen I1 bis I3 sind die Einschlüsse unter 10-facher Vergrößerung deutlich und oft auch mit bloßem Auge zu sehen. Sie können die Transparenz und Brillanz des Steins beeinträchtigen. Deshalb sind diese Diamanten deutlich günstiger als die höheren Stufen. Bei kleineren Steinen und mit passender Fassung kann aber auch ein I1-Diamant augenrein wirken.

Zertifikate: Wie streng GIA, IGI und ČGL bewerten

Das Labor IGI verwendet dieselbe 11-stufige Skala wie das GIA, in seinen Zertifikaten finden Sie also dieselben Bezeichnungen. Das tschechische Labor ČGL bewertet nach den Regeln des IDC (International Diamond Council), deren Stufen fast gleich heißen. Statt FL und IF steht dort LC (lupenrein) und statt I1–I3 stehen die Stufen P1–P3. Unterschiede gibt es aber darin, wie streng die Labore bewerten. Am strengsten ist das GIA, die anderen Labore sind etwas großzügiger, sodass derselbe Stein dort um einen Reinheitsgrad oder mehr besser eingestuft werden kann. Ein Stein, den das GIA als I1 einstuft, kann anderswo SI2 erhalten. Einen Vergleich der einzelnen Zertifikate finden Sie im Artikel Vergleich von Diamantzertifikaten.

Welcher Reinheitsgrad ist der richtige?

Für ein Schmuckstück, das Sie tragen möchten, ist ein augenreiner Diamant am sinnvollsten, also ein Stein ohne Einschlüsse, die mit bloßem Auge sichtbar sind. Er sieht genauso aus wie ein Diamant der Stufe FL oder IF und ist deutlich günstiger, weil makellose Steine extrem selten sind.

Das beste Verhältnis von Preis und Optik bieten in der Regel die Stufen VS und SI. Bei SI1 und SI2 kommt es auf die Lage der Einschlüsse an, vergewissern Sie sich daher beim Kauf, dass der Stein augenrein ist. Alle Diamanten der Stufen SI1 und SI2, die wir anbieten, sind augenrein. Wenn Sie einen Diamanten für einen Verlobungsring auswählen, helfen wir Ihnen, den Stein auch im Hinblick auf die Fassung zu wählen, die manche Einschlüsse verbergen kann. In unserem Angebot an losen Diamanten finden Sie vor allem Steine mit GIA-Zertifikat, aber auch mit Zertifikaten von IGI oder ČGL.

Reinheit eines Diamanten
Diamant mit der Reinheit SI1 und GIA-Zertifikat
Reinheit eines Diamanten
Diamant mit der Reinheit SI1 und ČGL-Zertifikat

AGSL-Skala

Auf älteren Zertifikaten begegnet Ihnen noch die Skala der AGS (American Gem Society): Deren Labor AGSL bewertete die Reinheit mit Zahlen von 0 bis 10. Die 0 entspricht FL oder IF nach GIA, 1–2 den VVS-Stufen, 3–4 den VS-Stufen und die höheren Zahlen den Stufen SI und I. Das Labor hat Ende 2022 seinen Betrieb eingestellt und wurde vom GIA übernommen, neue AGSL-Zertifikate werden daher nicht mehr ausgestellt.

Behandlungen zur Verbesserung der Reinheit

Die Reinheit eines Diamanten lässt sich durch Laserbohren, das Füllen von Rissen oder eine Säurebehandlung verbessern. Die Labore gehen mit behandelten Steinen unterschiedlich um: Das GIA bewertet lasergebohrte Diamanten und zeichnet die Bohrkanäle im Zertifikat ein, Diamanten mit gefüllten Rissen bewertet es dagegen nicht, weil diese Behandlung nicht dauerhaft ist.

Laserbohren

Der Laser bohrt einen feinen Kanal (Durchmesser unter 0,2 mm) bis zum dunklen Einschluss, der anschließend weggebrannt oder mit Säure aufgelöst wird. Von der Behandlung bleibt nur ein mikroskopisch kleiner Tunnel. Beim neueren inneren Laserbohren entstehen feine Kanäle, die natürlichen Rissen ähneln, sodass sich die Behandlung schwerer erkennen lässt.

Füllen von Rissen

In Risse an der Oberfläche wird bei hoher Temperatur und hohem Druck flüssiges Glas eingebracht, dessen Brechungsindex dem des Diamanten ähnelt, und die Risse verschwinden dadurch fast. Der Stein wirkt so um einen Reinheitsgrad besser, Farbe und Karatgewicht ändern sich nicht. Die Behandlung ist aber nicht dauerhaft, und die Füllung kann mit der Zeit nachlassen. Unter dem Mikroskop verrät sie sich durch farbige Lichtblitze.

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Behandlung mit Säurelösung

Das Kochen in einer Säurelösung entfernt die dunkle Färbung von Einschlüssen, die bis an die Oberfläche des Steins reichen. Den Riss füllt die Säure nicht, sie hellt ihn nur auf: Aus einem auffälligen schwarzen Einschluss wird ein weniger sichtbarer heller. An Einschlüsse im Inneren des Steins gelangt die Säure nicht.

Worauf Sie beim Kauf eines behandelten Diamanten achten sollten

Behandelte Diamanten sind meist günstiger als unbehandelte Steine mit gleichem Aussehen, deshalb entscheiden sich manche für sie, wenn sie einen größeren Stein für ein kleineres Budget möchten. Über die Behandlung sollte Sie der Händler vorab informieren, und sie sollte auch im Zertifikat stehen. Rechnen Sie bei einem Diamanten mit gefüllten Rissen damit, dass die Füllung nicht dauerhaft ist.

Quellen: gia.edu, 4cs.gia.edu, lumeradiamonds.com, diamonds.pro

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