Reinheitsgrad von Diamanten (Clarity) – Stufen von FL bis I3
Aktualisiert: 5. Oktober 2026
Der Reinheitsgrad eines Diamanten (englisch Clarity) gibt an, wie viele innere Merkmale, sogenannte Einschlüsse, und äußere Makel ein Stein hat. Bewertet wird er unter 10-facher Vergrößerung auf der 11-stufigen GIA-Skala, von fehlerfreien Diamanten (FL) bis zu Steinen mit Einschlüssen, die mit bloßem Auge sichtbar sind (I3). Beim Wachstum eines Diamanten, ob tief in der Erde oder im Labor, bleiben fast immer winzige Kristalle oder Unregelmäßigkeiten im Kristallgitter zurück. Die Reinheit gehört zu den 4C, nach denen ein Diamant beurteilt wird, neben Karatgewicht, Farbe und Schliff. Wir nehmen noch das Zertifikat (englisch Certificate) hinzu und sprechen deshalb von den 5C.
Was ist der Reinheitsgrad eines Diamanten
Die Reinheit eines Diamanten beschreibt, wie viele Einschlüsse er im Inneren und wie viele Makel er an der Oberfläche hat. Völlig makellose Steine sind äußerst selten. Je weniger Merkmale ein Diamant hat, desto höher ist sein Reinheitsgrad und in der Regel auch sein Preis. Zu den Einschlüssen gehören zum Beispiel Spalten, Risse, eingewachsene Kristalle oder andere Unregelmäßigkeiten im Kristallgitter.
Bei der Bewertung achtet der Gemmologe auf Anzahl, Größe, Art, Lage, Farbe und Sichtbarkeit der Merkmale. Über die Einstufung entscheidet dabei nicht nur die Zahl der Einschlüsse, sondern vor allem ihr Gesamtumfang und ihre Lage. Ein Stein mit drei winzigen Einschlüssen kann daher denselben Reinheitsgrad erhalten wie einer mit einem größeren Einschluss, doch der erste sieht meist besser aus. Die Reinheit muss bestimmt werden, bevor der Stein gefasst wird, denn die Fassung kann einen Teil der Merkmale verdecken.
Reinheitsgrade von Diamanten nach GIA
Die Experten des GIA (Gemological Institute of America) haben die am weitesten verbreitete Reinheitsskala für Diamanten mit 11 Stufen entwickelt, und das GIA selbst bewertet strenger als andere Labore. Die Stufen werden mit Abkürzungen der englischen Bezeichnungen angegeben, von fehlerfrei (FL) bis zu Steinen mit deutlichen Einschlüssen (I3), und eingestuft wird ein Stein danach, was ein erfahrener Gemmologe unter 10-facher Vergrößerung sieht. Neben der GIA-Skala begegnet Ihnen auch die AGSL-Skala.
Bei Diamantschmuck finden Sie am häufigsten die Stufen VS (sehr kleine Einschlüsse) und SI (kleine Einschlüsse). Die Stufen FL bis VS2 gehören zu den höchsten. Bei FL bis VVS2 sind die Einschlüsse mit bloßem Auge nicht zu sehen, bei VS1 und VS2 in der Regel auch nicht. Ein Diamant, dessen Einschlüsse nur unter der Lupe oder dem Mikroskop sichtbar sind, gilt als augenrein. Ein Stein, bei dem sie selbst unter 10-facher Vergrößerung nicht zu erkennen sind, ist lupenrein.
Lupenrein
Augenrein
Nicht augenrein
Zertifikate: Wie streng GIA, IGI und ČGL bewerten
Das Labor IGI verwendet dieselbe 11-stufige Skala wie das GIA, in seinen Zertifikaten finden Sie also dieselben Bezeichnungen. Das tschechische Labor ČGL bewertet nach den Regeln des IDC (International Diamond Council), deren Stufen fast gleich heißen. Statt FL und IF steht dort LC (lupenrein) und statt I1–I3 stehen die Stufen P1–P3. Unterschiede gibt es aber darin, wie streng die Labore bewerten. Am strengsten ist das GIA, die anderen Labore sind etwas großzügiger, sodass derselbe Stein dort um einen Reinheitsgrad oder mehr besser eingestuft werden kann. Ein Stein, den das GIA als I1 einstuft, kann anderswo SI2 erhalten. Einen Vergleich der einzelnen Zertifikate finden Sie im Artikel Vergleich von Diamantzertifikaten.
Welcher Reinheitsgrad ist der richtige?
Für ein Schmuckstück, das Sie tragen möchten, ist ein augenreiner Diamant am sinnvollsten, also ein Stein ohne Einschlüsse, die mit bloßem Auge sichtbar sind. Er sieht genauso aus wie ein Diamant der Stufe FL oder IF und ist deutlich günstiger, weil makellose Steine extrem selten sind.
Das beste Verhältnis von Preis und Optik bieten in der Regel die Stufen VS und SI. Bei SI1 und SI2 kommt es auf die Lage der Einschlüsse an, vergewissern Sie sich daher beim Kauf, dass der Stein augenrein ist. Alle Diamanten der Stufen SI1 und SI2, die wir anbieten, sind augenrein. Wenn Sie einen Diamanten für einen Verlobungsring auswählen, helfen wir Ihnen, den Stein auch im Hinblick auf die Fassung zu wählen, die manche Einschlüsse verbergen kann. In unserem Angebot an losen Diamanten finden Sie vor allem Steine mit GIA-Zertifikat, aber auch mit Zertifikaten von IGI oder ČGL.
AGSL-Skala
Auf älteren Zertifikaten begegnet Ihnen noch die Skala der AGS (American Gem Society): Deren Labor AGSL bewertete die Reinheit mit Zahlen von 0 bis 10. Die 0 entspricht FL oder IF nach GIA, 1–2 den VVS-Stufen, 3–4 den VS-Stufen und die höheren Zahlen den Stufen SI und I. Das Labor hat Ende 2022 seinen Betrieb eingestellt und wurde vom GIA übernommen, neue AGSL-Zertifikate werden daher nicht mehr ausgestellt.
Behandlungen zur Verbesserung der Reinheit
Die Reinheit eines Diamanten lässt sich durch Laserbohren, das Füllen von Rissen oder eine Säurebehandlung verbessern. Die Labore gehen mit behandelten Steinen unterschiedlich um: Das GIA bewertet lasergebohrte Diamanten und zeichnet die Bohrkanäle im Zertifikat ein, Diamanten mit gefüllten Rissen bewertet es dagegen nicht, weil diese Behandlung nicht dauerhaft ist.
Laserbohren
Der Laser bohrt einen feinen Kanal (Durchmesser unter 0,2 mm) bis zum dunklen Einschluss, der anschließend weggebrannt oder mit Säure aufgelöst wird. Von der Behandlung bleibt nur ein mikroskopisch kleiner Tunnel. Beim neueren inneren Laserbohren entstehen feine Kanäle, die natürlichen Rissen ähneln, sodass sich die Behandlung schwerer erkennen lässt.
Füllen von Rissen
In Risse an der Oberfläche wird bei hoher Temperatur und hohem Druck flüssiges Glas eingebracht, dessen Brechungsindex dem des Diamanten ähnelt, und die Risse verschwinden dadurch fast. Der Stein wirkt so um einen Reinheitsgrad besser, Farbe und Karatgewicht ändern sich nicht. Die Behandlung ist aber nicht dauerhaft, und die Füllung kann mit der Zeit nachlassen. Unter dem Mikroskop verrät sie sich durch farbige Lichtblitze.
Behandlung mit Säurelösung
Das Kochen in einer Säurelösung entfernt die dunkle Färbung von Einschlüssen, die bis an die Oberfläche des Steins reichen. Den Riss füllt die Säure nicht, sie hellt ihn nur auf: Aus einem auffälligen schwarzen Einschluss wird ein weniger sichtbarer heller. An Einschlüsse im Inneren des Steins gelangt die Säure nicht.
Worauf Sie beim Kauf eines behandelten Diamanten achten sollten
Behandelte Diamanten sind meist günstiger als unbehandelte Steine mit gleichem Aussehen, deshalb entscheiden sich manche für sie, wenn sie einen größeren Stein für ein kleineres Budget möchten. Über die Behandlung sollte Sie der Händler vorab informieren, und sie sollte auch im Zertifikat stehen. Rechnen Sie bei einem Diamanten mit gefüllten Rissen damit, dass die Füllung nicht dauerhaft ist.
Quellen: gia.edu, 4cs.gia.edu, lumeradiamonds.com, diamonds.pro