Alles, was Sie über eine jüdische Hochzeit wissen müssen

Sind Sie zu einer traditionellen jüdischen Hochzeit eingeladen? Interessieren Sie sich für die Traditionen und Bräuche, die Menschen jüdischen Glaubens bei ihren Hochzeitszeremonien einhalten? Wenn Sie sich nur an Filmausschnitte von Sex and the City erinnern können, bei denen Charlotte und Henry auf Stühlen über den Köpfen der Gäste getragen werden, so ist das kein Beinbruch. Wir haben einige nützliche Informationen für Sie, die typisch für eine traditionelle jüdische Hochzeit sind und mit denen Sie eine gute Übersicht zum Ablauf einer solchen Hochzeit bekommen.

Ist eine jüdische Hochzeit nur für Angehörige dieser Gemeinschaft? Ja und nein

Die Tora ist das Grunddokument der jüdischen Religion nach der alle jüdischen Feiertage und Ereignisse geregelt werden. Die Grundvoraussetzung für den Abschluss einer jüdischen Ehe ist, dass Sie ein Mann und eine Frau jüdischer Herkunft sind oder, wie Charlotte bei Sex and the City, zum Judentum konvertiert, bei orthodoxen Eheschließungen wird die Hochzeit von konvertierten Ehegatten in einer Synagoge nicht möglich sein.

Eine Zeremonie in der Synagoge mit Rabbiner*in? – nicht unbedingt

Wenn Sie sich dem Ort einer jüdischen Hochzeit nähern, suchen Sie nicht unbedingt nach dem Symbol für eine Synagoge in Ihrem Navi. Die Zeremonie kann ruhig auch im Garten eines Hotels, Restaurants oder einer Schlosswiese stattfinden. Aber was Sie sicherlich von weitem sehen werden ist die unübersehbare Chupa, ein Hochzeitsbaldachin. Für eine jüdische Hochzeit ist dies ein typischer Traubaldachin, der auf 4 Stäben aufgebaut wird. Ob die Trauung in der Synagoge oder unter freiem Himmel stattfindet, eine Chupa wird sowie die Braut und Bräutigam in jedem Fall mit dabei sein. Die Chupa symbolisiert das gemeinsame, zukünftige Heim und soll wie bei Abraham von vier Seiten geöffnet sein und so dessen Gastfreundschaft symbolisieren. Die Chupa kann ganz nach den Wünschen des Ehepaars gestaltet werden und somit auch beispielsweise deren Geschichte symbolisieren.

Die Rabbis sind auch keine absolute Notwendigkeit bei einer jüdischen Hochzeit, auch ein sogenannter Zeremoniendiener - ein perfekter Kenner des religiösen jüdischen Rechts – kann das Brautpaar nach jüdischem Glauben vor allem in progressiven Gemeinden vermählen.

Das Rabbinat war früher ausschließlich eine Domäne der Männer, aber heutzutage kann man in einigen Ländern auch an Rabbinerinnen antreffen. Ebenso ist es bei gleichgeschlechtlichen Paaren sinnvoll, sich bei einer lokalen Gemeinde schlau zu machen, da man bspw. das Anbringen einer sogenannten Mesuza, einem Behältnis für einen gewählten Spruch aus der Tora für die Begründung eines gemeinsamen Heimes, als alternative Zeremonie machen kann.

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Verschiedene Arten von Süßigkeiten bei einer Hochzeitsfeier läuten ein süßes Leben für das Brautpaar ein.
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Früher erhielt während der Zeremonie nur die Braut den Ring, heute erhält ihn auch der Bräutigam.

An einem einzigen Tag sowohl verlobt als auch verheiratet – ein 7-tägiges Fest macht dies wett

Heutzutage ist die Verlobung (Kidushin) sowie die Eheschließung (Nisuin) Teil einer einzigen jüdischen Zeremonie. Ein wichtiges Element ist die Lesung des Hochzeitsvertrages, der sogenannten Ketuba. Für orthodoxe Juden ist dies ein sehr wertvolles und unveränderliches Dokument, das für diese auch einen rechtlich verbindlichen Charakter hat. Es enthält vor allem Vorschriften zu den Verpflichtungen des Ehemanns und dem Schutz einer Frau im Falle der Verwitwung oder Scheidung, und das Lesen ist einer der wichtigsten Momente der Hochzeit im Judentum. Moderne jüdische Eheschließungen in liberalen Gemeinden nutzen diese Lesung auch für eine gegenseitige Liebeserklärung, ähnlich wie beim Eheschwur. Die Ketuba als Ehevertrag ist hier mehr von gegenseitigen Pflichten, resp. Versprechen geprägt und hat auch nicht mehr die rechtliche Verbindlichkeit wie bei orthodoxen Eheschließungen. Der Text der Ketuba ist bei orthodoxen Hochzeiten in Aramäisch, einer der Ursprachen des Judentums, bei progressiven Hochzeiten gerne auch in Hebräisch oder einer anderen Sprache.

Die Tradition verlangt auch nach Brautzeugen, welche der Bräutigam traditionell an seiner Seite hat, wenn er sehnsüchtig auf die Ankunft der Braut unter dem Baldachin wartet. Der Überlieferung nach sind es immer zwei Männer als Vertreter der jüdischen Gemeinde, die im Gegensatz vor allem bei christlichen Hochzeiten nicht mit dem Brautpaar verwandt sein dürfen.

Die Braut umschreitet symbolisch den Bräutigam sieben Mal, was ein Symbol für die Übernahme des Haushalts durch die Braut und auch deren Fürsorge ist. Damit beginnt die jüdische Verlobung (hebräisch Kiduin), bei welcher der Bräutigam den Ring auf ihren Zeigefinger ihrer rechten Hand steckt und den Spruch „Mit diesem Ring bist du mir angeheiligt nach dem Gesetz von Moses und Israel“ sagt und dann beide Verlobten vom Zeremonienmeister gesegnet werden.

Der Kopf der Braut wurde vom Bräutigam bei orthodoxen Hochzeiten mit einem Schleier verhüllt, bevor er diesen unter der Chupa wieder abnehmen kann, dies soll die Braut vor dem bösen Blick schützen.

Ein Ring "der alles bestimmt"

Mit etwas Übertreibung könnte man sagen, dass der Verlobungsring für die Braut das einzige notwendige Juwel bei einer orthodoxen jüdischen Hochzeit ist. Bei liberaleren Gemeinden wird diese Tradition oftmals etwas aufgeweicht. Aber der Akt der Annahme des Rings des Bräutigams durch die Braut ist einer der sehr wichtigen Bestandteile in der Zeremonie. Traditionell erhielt die Frau so den sozialen Status der Dame des Hauses und übernahm damit den Haushalt. Typischer Weise hatte der Verlobungsring eine geschmiedete Form mit sechs Ecken, die mit der Zeit zu einem stilisierten Haus wurden, so dass die hebräischen Buchstaben des jüdischen Hochzeitswunsches Mazal tov (מזל טוב) auf diese eingraviert werden konnten. Diese prunkvollen Ringe waren nicht für das Tragen im Alltag gedacht, folgten aber der Symbolhaftigkeit, dass diese im Eigentum des Bräutigams sein mussten, aus reinem Gold, ohne Steine oder andere Verzierungen.

Das Erscheinungsbild des Verlobungsrings hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert. Auch bei orthodoxen Paaren gibt es Formen, welche statt eines Turmes oder Hauses den Hochzeitsspruch eingraviert haben. Liberalere Paare gravieren sich auch entsprechende Sprüche aus der Tora ein. Ebenfalls eine modernere Version ist das Tragen eines Eheringes auch durch den Ehemann.

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Ganz am Ende der Hochzeitszeremonie tritt der Bräutigam auf ein Glas ...
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... und die Hochzeitsgäste rufen Mazal tov! und ein Fest von 7 Tagen und 7 Nächten kann beginnen.

Mazal Tov! und das Fest kann beginnen

Ganz am Ende der Zeremonie (nisuin) kommt die Tradition, wenn der Bräutigam buchstäblich ein zerbrechliches Glas zertrümmert indem er mit seinem Fuß darauf tritt. Hochzeitsgäste rufen Mazal tov! womit die Feierlichkeiten und das Fest beginnen. Diese Tradition erinnert an die Zerstörung des grossen Tempels von Jerusalem und indem man "Glück" oder besser gesagt "Gutes Omen" ruft, offenbart sich, dass das Glück des Brautpaars dieses traurige historische Ereignis überschatten soll.

Auch wenn die Verlobung und Eheschließung zusammen gefeiert werden, wird dies mit langen Feierlichkeiten wettgemacht. Die Hochzeitsfeier dauert 7 Tage und bei vielen Hochzeiten werden die Gerichte koscher zubereitet. Geflügelgerichte und Eier gelten hier als Symbol der Fruchtbarkeit, Fische sollen wiederum die Fortpflanzung symbolisieren und wie bei nicht-jüdischen Hochzeiten, gibt es auch eine typische Hochzeitstorte, verschiedene Arten von Süßigkeiten welche ein süßes Leben vorhersagen sollen.

Jüdische Traditionen werden auch von Tänzen bei allen wichtigen Veranstaltungen geprägt. Für Hochzeiten ist dies nahezu eine Verpflichtung. Es geht darum, die Braut besonders zu ehren und zu erfreuen. Die Hochzeitszeremonie wird als göttliche Vereinigung und die Braut und Bräutigam als König und Königin symbolisiert. Deshalb nehmen Hochzeitsgäste sie auf Stühlen über dem Kopf und tanzen zu ihren Ehren und zu ihrer Freude.

Bei orthodoxen Eheschließungen waren die Hochzeitsgäste, Männer und Frauen in getrennten Räumen oder zumindest an separaten Tischen. Bei liberale Zeremonien ist dies nicht mehr der Fall.

Was sollte man anziehen?

Die Verdeckung der Braut mit einem Talit, einem weißen Schal des Bräutigams, wird heute fast nicht mehr durchgeführt. Es war früher ein wichtiges Element, da so die Braut unter Schutz , die von der oben genannten Chupa übernommen wurde. Unter dem Anzug des Bräutigams bleibt jedoch der Talit oft zu sehen und ebenso so die Kippa, die traditionelle Kopfbedeckung.

Brautkleider haben keine besonderen Regeln im Judentum und vor allem bei progressiven Gemeinden sollen die Kleider schicklich sein. Aber es ist tief verwurzelt, dass Bräute keine zu offenherzigen Kleider tragen. Kleider sind so oft mit langen Ärmeln und sollten vor allem weiß sein, die Farbe der Reinheit, auch was den Bräutigam betrifft. Von den männlichen Gästen, auch von denjenigen, die nicht jüdischen Glaubens sind, wird ebenfalls das Tragen der Kipa erwartet.

alt chatuna tag
Brautkleider sind im Judentum oft langärmelig.
alt chatuna tag
...denn früher durftet sich die Bräute nicht enthüllen.

Jüdische Bräuche und Traditionen in Zahlen

Wie Sie vielleicht bei jüdischen Traditionen allgemein bemerkt haben, wiederholt sich die Nummer 7 sehr oft. Dahinter steckt nichts als die Symbolik der Erschaffung der Welt durch Gott in sieben Tagen.

    • vor der Hochzeit sollte sich das Paar für sieben Tage nicht sehen
    • Die Braut sollte vor der Verlobung den Bräutigam sieben Mal umschreiten
    • vor dem Fest bleibt das Brautpaar sieben Minuten allein
    • beim Abendessen werden die sieben Segnungen der sogenannten Sheva Brachot aufgesagt
    • Das Fest dauert sieben Tage und Nächte

    Jüdische Hochzeitsbräuche haben ihren ganz besonderen Charme und wenn Sie jemals ein Gast bei einer solchen Hochzeit sein werden, genießen Sie diese spezielle Atmosphäre in vollen Zügen. Wir hoffen, dass Sie so zumindest einen kleinen Überblick bekommen haben.

    Mazal Tov!

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